[ 2. Dezember 2021 ]

Auch ein Hessentagsbrötchen kommt

Wenn es nach den Schülern der Johann-Textor-Schule und den Handwerksmeistern Holger Rothe (Bäcker) und Christian Schneider (Metzger) geht, dann werden sich die Besucher des Hessentages im Juni 2022 Hessentagswurst und -Brötchen schmecken lassen. Derzeit werden die Produkte entwickelt, die bereits vor dem großen Landesfest präsentiert – und vor allem probiert – werden sollen.

„Ich bin begeistert von dem, was hier passiert. Es ist toll zu sehen, wie hier heimische Handwerker mit der Schule und natürlich auch der Stadt kooperieren – alles, um die Stadt nach vorne zu bringen“, sagte Bürgermeister Mario Schramm bei einem Kick-Off-Termin für die Produktion der Hessentagsspeisen in der Rothe-Zentrale auf der Kalteiche. Er gehe davon aus, „dass es bisher noch nie eine Hessentagswurst oder ein Hessentagsbrötchen gegeben hat“, sagte der Rathaus-Chef: „Aber das prüfen wir noch.“ Brot und Wurst seien früher in jedem heimischen Haushalt produziert worden. „Das sind die Speisen-Klassiker.“ Das Handwerk habe eine besondere Bedeutung im ehemaligen Dillkreis, denn „ohne Handwerk wäre unsere Region tot“.

Initiiert von Alexander Schüler (Schulleitung Johann-Textor-Schule) und dem Hessentagsbeauftragten Oliver Thielmann werden in der Johann-Textor-Schule Arbeitsgemeinschaften angeboten, die sich mit der Entwicklung der Speisen befassen. Die Metzger und die Bäcker sind bereits mit Holger Rothe und Christian Schneider in Aktion, lernen viel über Rohstoffe und Herstellungsvarianten und arbeiten daran, ein Produkt mit Alleinstellungsmerkmal zu „erfinden“. „Das macht echt Spaß. Es ist kaum zu glauben, was man aus einem Schwein alles machen kann“, blickt Collin Schüler auf die ersten Unterrichtseinheiten zurück.

Diese positive Einschätzung ist ganz im Sinne der Handwerksmeister. „Unser Ziel muss es sein, die jungen Menschen für ein Thema zu begeistern, sonst klappt es nicht“, meint Holger Rothe, für den die Themen Nachwuchs und Personal „eine ganz große Bedeutung haben“. Gemeinsam mit seinem Vater Dieter Rothe hat er mit den jungen Leuten zusammengearbeitet und zum Beispiel unterschiedliche Mehrsorten ausprobiert und die Unterschiede „rausgeschmeckt“. Es wird weiter experimentiert, bis die Rezeptur des Hessentagsbrötchens feststeht.

Für weitere Schritte, die danach kommen, ist Kai Staudacher, Diplom-Kommunikationsdesigner und Geschäftsführer der Agentur „merkwürdig“, zuständig. Er wurde von der Stiftung Deutsches Designmuseum mit Sitz in Frankfurt beauftragt, die Schüler bei der Markenentwicklung und den werbenden Schritten zu begleiten. „Ich war begeistert, als ich von dem Konzept hörte“, sagte der Designer und lobt die Schüler: „Sie gehen mit Begeisterung und unbeschwert an die Sache heran.“ Das sei hervorragend. Ziel müsse es sein, den potenziellen Kunden eine Geschichte zu erzählen, meint Staudacher und ist überzeugt: „Der Hessentag geht weit über Haiger hinaus.“

Unterstützt bei ihren Planungen und Überlegungen werden die Partner von der Rittal Foundation, die seit Jahren ein gutes Verhältnis zur Johann-Textor-Schule unterhält und bereits mehrere Projekte gefördert hat. „Auch diese Initiative finden wir toll und  unterstützen sie gerne“, sagte der neue Geschäftsführer Rainer Reissner, der gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Angela Zutt an dem „Kick-Off“ teilnahm.

Dass die ganze Arbeit sich bereits jetzt gelohnt hat, konnte Alexander Schüler berichten. „Zwei der vier Schüler, die sich bei der Firma Rothe umgeschaut haben, waren Feuer und Flamme und wollen jetzt Bäckerei-Fachverkäufer werden“, berichtete der Textor-Lehrer: „Das genau ist der Grund, warum wir solche Aktionen in unserem Programm haben.“